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Psychologie


Vorab einmal das Wichtigste- Börse ist zu 90% Psychologie!

Die Charttechnik ist ein unheimlich gutes Hilsmittel, welches es ermöglicht wahrscheinliche Verläufe zu antizipieren, Trends und Extrema auszumachen und Widerstände und Unterstützungen herauszufiltern.

Doch es gibt im Markt immer wieder extreme Phasen, wo die herkömmlichen Gesetzmässigkeiten vorübergehend außer Kraft gesetzt werden.
Als Trader handelt man aber nach einem bestimmten Schema und muss die wahrscheinlichste Variante handeln.
Wer auf Ausnahmen setzt kann durchaus mal Glück haben und in einem Fall der grosse Held sein- ein dauerhaftes Überleben bringt aber nur Nervenstärke und ein entsprechendes Analyse- und Handelssystem, welches für verschiedene Marktphasen und Situationen entsprechende Puffer hat.

So ist es z.B. oft so, dass man hört ein überkaufter Indikator alleine habe nichts zu bedeuten und ein Markt könne lange überkauft tendieren.
Das ist absolut richtig!
Doch es ist auch richtig, dass je extremer und hartnäckiger ein Markt in eine Richtung läuft, desto heftiger die Gegenbewegung ausfällt.
Dies bezeichnen viele auch als Gummiband-Effekt.
Zurecht, denn auf eine Übertreibung (kurzfristig) in die eine Richtung erfolgt in der Regel eine heftige Gegenbewegung, was eine kurzfristige Übertreibung in die andere Richtung zur Folge hat.
Eine Normalisierung findet aber im Prinzip immer statt.


Da man mit einem antizyklischen Ansatz zwar oft nahe der Extrembereiche, jedoch nicht immer genau an den Extrema einsteigt ist es wichtig hier besonnen zu agieren.
Es ist wichtig das Marktverhalten zu kennen und hierbei muss man unbedingt wissen, dass die Endphasen einer Bewegung in der Regel die hartnäckigsten sind.
Dies lässt sich psychologisch recht gut erklären.

Wendet ein Markt nach einer großen Abwärtsbewegung, so erfolgt ein erster Rücksetzer meist dadurch, dass einige ihre Schieflagen von “zu frühen” Einstiegen glattstellen und die anderen einen Gewinn schnell realisieren wollen, nach langer Durststrecke.

Dann erfolgt getrieben von z.B. Shorteindeckungen/Leerverkäufen und jenen, die den Trend und die Trendfolgesignale handeln ein starker Schub.
In EW meist die Hauptantriebswelle.
Der Rücksetzer resultiert hier meist aus erneut schnellen Tradinggewinnen und ein paar Positions-Coverings.
Der Endteil ist daher so extrem, weil dann einerseits die Gier bei den in Trendrichtung positionierten einsetzt (es läuft sicher noch ein Stück weiter) und andererseits die antizykliker einen vermeintlich sicheren Einstieg wähnen.
Nicht selten sind diese dann einen Tick zu früh.
Antizykliker verlieren die Nerven bzw. ziehen den Stopp-Loss und die Prozykliker bleiben investiert- es läuft ja prima.
Irgendwann ist aber jedes Potenzial einmal ausgereizt und so kommt es, dass sich das Blatt dann wendet, wenn keiner mehr damit rechnet.
Die Prozykliker träumen vom 500-Punkte-Trade und die Antizykliker resignieren.

Da aber die Prozykliker die Wende meist nicht mitbekommen bzw. noch einen letzten Up-Tick mitnehmen möchten treten diese bei gegenteiligen Signalen schlagartig als Verkäufer auf.
Nun sind die ehemaligen Antizykliker Prozykliker und das beschriebene Spiel geht von vorn los.

Jeweils an den Extrema treffen wir dann auch gerne die Opfer des Marktes an.
Als Opfer kann man jene bezeichnen, die ständig mit ihrem Schicksal hadern.
“immer, wenn ich etwas kaufe läuft es erstmal gegen mich…..wenn ich dann frustriert verkauft habe, weil ich dachte es passiert eh nix mehr dreht der Scheissmarkt” (O-Ton)

Hier muss man aber irgendwann einmal merken, dass es nicht der Markt ist, der einem einzelnen kleinen Traderherz Schmerz bereiten will sondern, dass es sich dabei um klassische Psychofallen und persönliche Fehler handelt.
Die Schuld darf man NIE bei anderen und schon garnicht beim Markt suchen- man ist stets selbst schuld, wenn man sich in die Fallen locken lässt.

Was aber dagegen tun?
Es gibt gleich eine Vielzahl von Möglichkeiten, um dieses (meines Erachtens manchmal) Unvermeidliche abzufedern.

1. Man nimmt Scheine/Zertifikate, die einen entsprechenden Puffer zum K.O. haben. Dies ist wichtig, da man wissen muss, dass 2/3 der Verluste im letzten Drittel einer Bewegung (abwärts) auftreten und somit die Gefahr unglücklich ausgestoppt zu werden riesig ist.

2. Man gewichtet entsprechend niedrig und behält sich Zukäufe vor, um einen besseren Schnitt zu haben. (Dies gilt natürlich nur für antizyklisches Handeln an den vermeintlichen Extrema).

3. Man handelt z.B. nur die zweiten und dritten Auflagepunkte einer Divergenz.

Wichtig ist in jedem Fall das Überleben des Produktes/Scheines/Zertifikates.
Warum erkläre ich Ihnen.

Die meisten Analyseansätze sind mehr oder weniger Trendfolgeansätze.
Auch die weit verbreitete EW-Technik ist hier oftmals ein Spätzünder.
Bricht ein bestimmtes Retracement, bzw. Supportlevel, so verschlechtert sich z.B. das Chartbild.
Als Beispiel sei im Dax die 3692 Pkt genommen.
Laut EW ist nun Potenzial bis 3400 Pkt, was auch mittels anderer Ansätze jeder ermitteln wird.
Zieht man aber die Indikatoren zu Rate erkennt man schnell, dass hier bald eine Gegenbewegung ansteht, da der Markt extrem überverkauft ist.
Man erwartet zunächst nur einen Bounce an die ehem Supports, doch sobald diese zurückerobert werden wendet sich das Bild und man zählt die Abwärtsbewegung weiter oben plötzlich korrektiv.
Da sich also aus einer vermeintlich technischen Erholung in einem Trend durchaus ein neuer Trend entwickeln kann macht es Sinn weite K.O.Žs zu nehmen und von Bewegung zu Bewegung auszuloten, wie sich das Bild darstellt.
Um das Beispiel vom Dax nochmals aufzugreifen:
Trendfolger wären/waren mit Break 3692 short.
Überwindet der Index aber 3963 Pkt (was 61,8% der gesamten Abwärtsbewegung seit 4175 entspräche, so wäre der Markt noch bullisher und hätte Ziele von 4220 und höher.

Es ist jederzeit alles möglich. Wichtig ist es das Überleben zu sichern und entsprechende Cashvorräte zu halten.
Natürlich kann nicht jeder mit einem Volumen von 50000 Euro agieren.
Doch das ist auch nicht nötig.
Um das Musterdepot einigermassen abzubilden genügt ein Volumen von 10000-15000 Euro.


Nicht jeder Trade kann ein Volltreffer sein!
Viele rennen ihr Traderleben lang dem Irrglauben von dem perfekten Trade nach.
Man schaut sich den Chart von Puma an und sucht seinerseits eine Perle, die man bis zur Verzehnfachung halten will.
Dies ist aber Augenwischerei!
Je kurzfristiger und breiter diversifiziert (Indexzertifikate) man investiert, desto konstanter wird der Ertrag.
Dabei gilt es vor allem in schlechten Phasen, die jeder einmal durchmachen muss!!! sich eben dieser Instrumente zu bedienen.
Liegt man vom Timing her schlecht, bzw. der Markt läuft extrem, so kann man mittels Cashmanagement und entspr. weit gefassten K.OŽs sein Kapital auch in einer schwierigen Marktphase zumindest erhalten.

WICHTIG: Im Zweifel geht Kapitalerhalt vor Risiko.
Es mag zwar für viele keinen Sinn ergeben, aber in bestimmten Phasen muss man froh sein und damit zufrieden sein, wenn man keines oder nur wenig Guthaben verliert!
Gerade dies Draw Downs dürfen ein Depot nicht zerlegen.
Daher machen Sie beispielsweise eine Tradingpause bzw. fahren Sie dei Investitionsquote herab, wenn Sie einen positiven Run hatten und viele gute Trades abgeschlossen haben.
Die Gier setzt dann meist ein, man wird überheblich und zu selbstsicher.
Genau dann, wenn man denkt es kann garnicht schiefgehen wird es garantiert schiefgehen.

Lernen Sie Ihre eigene Psyche kennen.
Achten Sie darauf, wie Sie in bestimmten Situationen reagieren und vermerken Sie auffällige Häufungen. (beispielsweise immer nahe des Extrems ausgestoppt und dann lief es doch in die erwartete Richtung)
Es ist wichtig sich selbst zu kennen und sein Handeln.

Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen.
Lernen Sie mit Ihren Schwächen umzugehen und machen Sie sich sogar diese noch zu Nutze!

Wenn ich weiss, dass ich z.B. mit meinen Einstiegen aus Gründen der Ungeduld, Gier etc. oft zu früh bin- grundsätzlich aber die Tendenz richtig sehe, dann gilt es hier mittels Zukäufen, Gewichtungen usw. die eigene Schwäche auszugleichen.

Achten Sie darauf, ob und wann Sie beginnen an Ihrem Szenario zu zweifeln.
Beginnen auch Sie (unbegründet) zu zweifeln, so ist die Wende sehr nah.

Börse kann wunderbar sein, doch es gilt einige Regeln für sich zu stecken, diese einzuhalten und stets Nervenstärke zu zeigen.
Hat man seine Psyche erst einmal im Griff, so ist das mehr, als die halbe Miete!